Weih­nach­ten 2015


München, Frühlingsanlagen, Eduard-Schmid-Straße, Ecke Boosstraße, 24 Dez. 2015 08:55:21

Sich erinnern an die schönen Dinge

Ein Tag wie jeder andere

Der Morgen des 24 Dez. 2015 versprach mit seiner gleißend hellen Begrüßung ein wunderschöner Tag zu werden. Leider erinnere ich mich aber nicht mehr daran. Ich habe keine Ahnung, was an jenem Morgen geschah. Es war wahrscheinlich mal wieder einer dieser ganz banalen Tage, wie sie eben i.d.R. so sind. Einer dieser Tage eben, an denen mal wieder die Apokalypse, das Ende der Welt, der Endkampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis, einfach so ‐ ausbleibt, das Wasser immer noch bergab fließt und man Geld immer noch nicht essen kann, außer … ach ja … es war halt Weih­-Nach­-Ten, ein Familientag, ein Tag, den man, wenn möglich, mit seinen Liebsten verbringt, wo garantiert wieder die Fetzen fliegen, ein Tag, an dem man sich gegenseitig jede Menge tolle Sachen schenkt, ein Tag, ohne den ein nicht unerheblicher Teil der Wirtschaft zusammenbrechen würde, weil Dinge kaufen, Dinge besitzen und Dinge verschenken von wirklich gaaaanz vielen lieben und weniger lieben Leuten als vermeintlich gleichwertigem Ersatz für das einzig Wertvolle, nämlich der eigenen Lebenszeit, vertauscht wurden. Liebe will gehegt und gepflegt sein, Liebe braucht Zeit, die Zeit, der sich die Schöpfer moderner Gesellschaften freiwillig berauben. Ich fürchte fast, daß genau die Ängste, die durch den Mangel und den Verlust an Erinnerungen entstehen und als Bedeutungslosigkeit des eigenen Lebens interpretiert werden, Menschen dazu verleiten, ihrem Leben mit zusätzlichen Markern, z.B. in Form extremer Ausschweifungen und Exzessen, die, gemäß ihren Vorstellungen, “richtige” Bedeutung zu verpassen, in der Hoffnung, daß sich diese Geschichten tiefer ins Gedächtnis graben und dadurch die Erinnerungspfade des eigenen Lebens besser ausleuchten, um nicht im Dunkel des Unbekannten, im Nichts zu entschwinden. Zum Schluß möchte ich noch auf einen 2001 herausgekommenen herausragenden französischen Film mit dem Titel “Claire – Sich erinnern an die schönen Dinge” aufmerksam machen, der diese Zusammenhänge grandios thematisiert.

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